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Der barrierefreie (Haus)Garten


Gärtnern für Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen

» Die positive Wirkung des Gartens auf den Menschen
» Gartentherapie
» Elemente für einen barrierefreien Hausgarten
» Pflanzenauswahl
» Schonendes Arbeiten

Nutzgarten

Die Natur und der Garten dienen seit jeher als Lebens- und Erholungsraum für den Menschen. Es gibt wohl kaum jemanden, dem/der nicht spontan einfällt, welche positiven Wirkungen die Beschäftigung in der freien Natur und/oder im eigenen Hausgarten mit sich bringt. Sei es die erholsame Wirkung von frischer Luft und Sonne, das direkte Erfahren von Wetter und Jahreszeiten oder die Befriedigung, sein eigenes Obst oder Gemüse wachsen zu sehen und zu ernten – ein Garten schenkt seinen Besucher/innen und Bewohner/innen eine wichtige Dimension des Lebens. Häufig sind (Haus)Gärten für gesunde, fitte und bewegliche Gärnter/innen angelegt.

Nicht bedacht wird dabei, dass den Menschen im Laufe seines Lebens nicht nur altersbedingte Einschränkungen einholen, sondern auch Unfälle und Krankheiten den Bewegungsfreiraum beschränken. In diesen Fällen wird der Garten, der früher für Freude gesorgt hat zur massiven Belastung. Das muss aber eigentlich nicht so sein. Brigitte Kleinod (2005, S. 6) schreibt, dass es besser ist, „den Garten an die Bedürfnisse der Gartennutzer anzupassen, damit die Lust am Gärtnern erhalten bleibt“, anstatt sich unter viel Mühe und Frust selbst dem Garten anzupassen. Das Stichwort hierzu ist der „barrierefreie Garten“, der so angelegt oder adaptiert wurde bzw. wird, dass auch Menschen mit unterschiedlichsten körperlichen Einschränkungen ihn bearbeiten und davon profitieren können.

Dieser Artikel widmet sich einem solchen Garten. Bevor im 4. Kapitel auf einzelne Elemente des barrierefreien Gartens eingegangen wird, wird vorher aufgezeigt, welche positiven Wirkungen der Garten auf den Menschen hat. Besonders von medizinischer und auch psychologischer Seite konnten diese Wirkungen mittlerweile auch schon wissenschaftlich nachgewiesen werden. Da viele Elemente eines barrierefreien Hausgartens bereits erfolgreich in der Gartentherapie eingesetzt werden, beschäftigt sich das 3. Kapitel mit dieser besonderen Therapieform. Es soll in diesem Artikel deutlich werden, dass die Beschäftigung im Garten nicht allein körperlich und seelisch gesunden Menschen vorbehalten ist. Mit dem Einsatz bestimmter Gartenelemente und bei entsprechender Planung und Kreativität ist der Garten ein Ort für alle Menschen, egal unter welchen Einschränkungen sie leiden. Und unter diesen Voraussetzungen kann der Garten auch allen Menschen Freude und Erholung schenken und gesundheitsfördernd wirken. Ob dies im Rahmen einer gezielten (Garten)Therapie geschieht oder im normalen Hausgarten spielt dabei eigentlich keine Rolle.

Die positive Wirkung des Gartens auf den Menschen

„There is considerable evidence that restorative effects of nature scenes are manifested within only three to five minutes as a combination of psychological/emotional and physiological changes“ (Ulrich 2002, S. 3). Der bloße Anblick von Natur wirkt sich bereits positiv auf den Menschen aus. Viele werden aus eigener Erfahrung bestätigen können, dass der Aufenthalt in der freien Natur, sei es bei einer Wanderung, beim Sonnenbad oder bei der aktiven Betätigung im Gemüsegarten sich positiv auf die Stimmung auswirkt. Diese Auswirkungen wurden unter anderem im Hinblick auf Gartentherapie, die sich in den letzten Jahren immer mehr etabliert, mittlerweile auch wissenschaftlich erforscht. Bezogen auf Patient/innen im Krankenhaus berichtet Ulrich (ebd., S. 8f) unter anderem davon, dass der Anblick von bzw. der Aufenthalt in der Natur nicht nur den Stress der Patient/innen reduziere sondern auch zur Verringerung der benötigten Schmerzmedikation und zur Verkürzung des Krankenhausaufenthalts führe.

Dr. Neuhauser, Arzt am Geriatriezentrum Wienerwald und Leiter des dortigen Gartentherapieprojekts berichtet von ähnlichen Ergebnissen: „Schon nach acht Minuten Aufenthalt im Freien sinkt der Blutdruck um zehn Prozent. Bei Hochdruckpatienten nimmt er anschließend sogar noch weiter ab. Der Puls wird ruhiger, die Herzfrequenz gleichmäßiger. Der Stoffwechsel wird angekurbelt. Muskelverspannungen lösen sich, Schmerzen nehmen ab, Ängste verschwinden, die allgemeine Stimmung steigt. Die körperliche Koordination verbessert sich, Kommunikationsfähigkeit und geistige Aufmerksamkeit nehmen deutlich zu“ (vgl. Neuhauser 2002). Er spricht davon, dass der Aufenthalt bzw. die Beschäftigung im Garten unter anderem älteren Menschen, die an Demenz, Parkinson oder Alzheimer leiden hilft, ebenso wie Menschen mit diversen psychischen Erkrankungen.

Auch nach Unfällen, Schlaganfällen oder Herzinfarkt wirkt sich der Garten förderlich auf die Heilung aus. Jedoch nicht nur tatsächlich erkrankte oder eingeschränkte Menschen profitieren vom Garten, sondern auch gesunde. Neuhauser (vgl. ebd.) ist überzeugt davon, dass viele „Zivilisationsleiden“ wie zum Beispiel Stress und nervliche Überlastung im Kontakt mit der Natur besonders gut abgebaut werden können. Zudem werden durch die Beschäftigung in der Natur Kreislauf, Stoffwechsel und Immunsystem angeregt, Übergewicht abgebaut und Muskeln und Knochen gestärkt. Der Garten als Arzt und Therapieraum? Bedenkt man die eben erwähnten positiven Auswirkungen auf Körper und Geist ist es vielleicht weniger verwunderlich, dass
erfahrene Gartenmenschen zu einer solchen Aussage kommen. Und es erscheint bei näherer Betrachtung auch logisch, dass sich der Hausgarten in den letzten Jahren zunehmend an Interesse erfreut.

Während im alltäglichen Gartenleben die positiven Effekte der Natur und der Bewegung und Betätigung im Garten eher nebenher passieren und oft nicht bewusst wahrgenommen werden macht sich die Gartentherapie genau diese Effekte zu nutze. Im folgenden Kapitel wird kurz auf diese Therapieform eingegangen, weil im Hinblick auf den Hausgarten, und hier vor allem im Blick auf Hausgärten für Menschen mit diversen Einschränkungen, Anregungen geholt werden können.

Gartentherapie

„Bei Gartentherapie handelt es sich um therapeutisches Arbeiten im Garten, mit den Mitteln des Gartens – diese werden mit anderen methodischen Ansätzen kombiniert: erzieherische, pädagogische Ansätze, Gesprächstherapie, kreative Ansätze,
Verhaltenstherapie, ergotherapeutische Ansätze, ADL-Aktivitäten des täglichen Lebens, sensorische Integration, Sinnesschulung u.v.a.m“ (Callo, Hein & Plahl 2004, S. 89). In dieser Definition von Gartentherapie ist bereits alles Wesentliche gesagt:
verbunden mit verschiedensten anderen therapeutischen und/oder methodischen Ansätzen werden sich die positiven Aspekte der Beschäftigung mit und im Garten zu nutze gemacht. So gesehen kann man sagen, dass sich die Gartentherapie auf der
„Heilkraft, die vom Garten und von Pflanzen an sich (…) ausgeht und der Interaktion, die zwischen Menschen und Pflanzen entsteht“ (Wolte 2005, S. 31) begründet.

Gartentherapie will die Lebensqualität erhöhen und die psychische und physische Gesundheit des Menschen erhalten und verbessern (vgl. Pfister o.J., S. 1). Als ausgewiesene Therapieform findet sie vor allem in Einrichtungen der Geriatrie, in Krankenhäusern und Reha-Zentren, in Einrichtungen der Psychiatrie und der Behindertenhilfe Anwendung. Zunehmend häufiger arbeiten auch Gefängnisse, Schulen und andere Kindertageseinrichtungen im und mit dem Garten (vgl. ebd.). Die Idee der Gartentherapie ist nicht neu. Thomas Pfister (ebd.) weist darauf hin, dass bereits im alten Ägypten Ärzte Gartenspaziergänge anordneten oder dass im Mittelalter Gartenarbeit fixer Bestandteil in der Behandlung von Menschen mit psychischen Krankheiten war.

Bekannt sind auch heute noch die Überzeugungen der Hildegard von Bingen, die dem Grün der Natur heilende und beruhigende Wirkung zuschrieb oder der Engländerin Florence Nightingale, die von der positiven Wirkung von Licht und frischer Luft auf Körper und Seele überzeugt war (vgl. Wolte 2005, S. 28). Ab Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Gartentherapie zum fixen Bestandteil psychiatrischer Einrichtungen und in den 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie in der Rehabilitation von Kriegsveteranen eingesetzt.

Heute sind die Gartentherapie und ihre positiven Wirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit weltweit anerkannte (vgl. Pfister o.J., S. 1). Spricht man von einer weltweiten Anerkennung so muss man möglicherweise etwas einschränken und darauf hinweisen, dass von einer wirklich breiten und weitgehend unumstrittenen Anerkennung dieser Therapieform vor allem in den angelsächsischen Ländern gesprochen werden kann. In Österreich ist die Gartentherapie noch ein sehr junger und nicht allzu gut bekannter Therapiezweig. Erst in den letzten Jahren bemerkt man eine Öffnung der diversen Einrichtungen und auch der Wissenschaft für die Gartentherapie (vgl. Wolte 2005, S. 29).

Dass sich Gartentherapie positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirkt, überrascht angesichts der im Kapitel 2 bereits erwähnten Wirkungen des Gartens auf den Menschen nicht. Pfister (o.J., S. 2) nennt folgende Vorzüge der Gartentherapie:

  • Sie kommt bei den meisten Personen gut an und löst im Gegensatz zu vielen anderen Therapieformen keine Abwehrreaktionen aus.
  • Gartentherapie fördert die Beziehungsfähigkeit.
  • Sie ist auch einsetzbar bei starken sensorischen Defiziten, d.h. mit blinden, tauben oder stummen Menschen.
  • Gartentherapie fördert die Wahrnehmung und das Gedächtnis.
  • Sie ermöglicht eine breite sensorische Stimulation.
  • Gartentherapie fördert die Beweglichkeit und stärkt die Muskulatur.
  • Sie reduziert Stress und fördert die aktive Erholung.
  • Gartentherapie reduziert Spannungen und negative Gefühle.
  • Sie hilft der Sinngebung und fördert eine positive Einstellung.
  • Gartentherapie fördert grob- und feinmotorische Fähigkeiten.

Neben bereits angesprochenen positiven Auswirkungen auf die körperliche Fitness sind es vor allem auch die förderlichen Wirkungen auf die Psyche, die den Einsatz von Gartentherapie in vielen Bereichen sinnvoll macht. Zentral ist hierbei vor allem
das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und die Verantwortung für eine Pflanze oder ein ganzes Beet zu haben. Gerade Menschen in Altenheimen oder psychiatrischen Krankenhäusern erleben sich häufig als massiv fremdbestimmt und verlieren viele
Lebensbereiche, in die sie selbst eingreifen können. Im Garten erleben sie sehr unmittelbar, wie sich ihre Handeln oder Nicht-Handeln auswirkt. Durch die Beschäftigung im Garten werden die Menschen auch von sich selbst und ihren eigenen Problemen abgelenkt, der Fokus liegt auf den Aufgaben, die sie im Garten übernehmen – der Therapieerfolg der sich für den Menschen selbst einstellt passiert beinahe ‚nebenbei’ (vgl. Wolte 2005, S. 35 und S. 42ff).

Pfister (o.J., S. 1f) spricht davon, dass grundsätzlich jeder Garten eine therapeutische Wirkung besitzt. Therapeutische Gärten sind aber zu einem bestimmten therapeutischen Zweck angelegt und enthalten dementsprechend auch bestimmte zentrale Elemente. Werden Gärten für eine gezielte Gartentherapie angelegt ist vor allem zu überlegen, welche Zielgruppe darin beschäftigt wird und die Gestaltung entsprechend anzupassen. Elemente wie zum Beispiel Gehschulen mit verschiedenen Treppen und Stufen, Ruhebereiche, Kräutergarten, Duftpfade oder – hecken, Hochbeete etc. können eingesetzt und entsprechend den Erfordernissen des jeweiligen Gartens kombiniert und angepasst werden.

Eine nähere Beschreibung einzelner Elemente wird im nun folgenden Kapitel vorgenommen. Ausgehend von der Überlegung, dass Natur und Garten nicht nur auf ‚offiziell’ kranke oder behinderte Menschen positiv wirken und dass auch Menschen mit einem normalen Hausgarten im Laufe ihres Lebens mit besonderen Bedürfnissen konfrontiert werden (können) ergibt sich für mich die Tatsache, dass Gartentherapieelemente sinnvoller Weise auch in den Hausgarten integriert werden können bzw. wollen.

Barrierefreiheit ist im Hausbau mittlerweile ein häufig gebrauchtes Schlagwort. Immer öfter werden Häuser so gebaut, dass im Falle einer eintretenden Behinderung oder durch altersbedingt entstehende Einschränkungen nur geringfügige Umbauten erforderlich werden. Für den Garten sollten meiner Ansicht nach ähnliche Überlegungen gelten. Denn diverse körperliche Beschwerden, die zum Beispiel mit dem Alterungsprozess des Menschen einhergehen, können die Freude am Garten massiv verringern. Gezielte Planung und die Verwendung von Gartenelementen aus der Gartentherapie können hier entgegen wirken.

Elemente für einen barrierefreien Hausgarten

Wie bereits erwähnt wäre es durchaus sinnvoll, bereits bei der Anlage eines Hausgartens – auch in jungen Jahren und bei bester Gesundheit – auf möglicherweise später eintretende Einschränkungen Rücksicht zu nehmen und den Garten entsprechend zu gestalten. In dem Zusammenhang spricht Emmerich (2005) von „Lebenslaufgärten“ und meint damit Gärten, die von vornherein schon möglichst barrierefrei gestaltet sind und sich nicht nur an den aktuell vorhandenen Potenzialen der GartenbenutzerInnen orientieren. Allerdings können natürlich auch später noch Veränderungen und Anpassungen an die aktuelle Situation vorgenommen werden. Elemente, auf die im Hinblick auf einen barrierefreien Hausgarten zu achten sind, sind unter anderem:

Wege

Wege im Garten sollen sicher und bequem die einzelnen Gartenteile erreichbar machen. Für eine barrierefreie Weggestaltung ist sowohl auf die Materialwahl (rutschfest und pflegeleicht!), die Wegführung, die Wegbreite als auch auf entsprechende Beleuchtung und eventuelle Handläufe zu achten. Grundsätzlich gilt, dass Stufen und Schwellen möglichst ganz zu vermeiden sind – wo dies nicht möglich ist, hilft eine Belags- oder Farbänderung, die Stufen rechtzeitig zu erkennen (vgl. Kleinod 2005, S. 27). Ev. können Stufen auch als Sitzplatz für die Beetbearbeitung genutzt werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, jedenfalls eine Aufstehhilfe (Handlauf,…) zu installieren (vgl. Umweltzentrum Fulda e. V. 2005, S. 13). Der weitestgehende Verzicht auf Stufen erleichtert nicht nur den Transport von Schubkarren etc., sondern ist vor allem für Rollstuhlfahrer/innen oder BenutzerInnen von Rollatoren (Gehhilfen) eine große Hilfe. Im Hinblick auf Rollstühle ist vor allem auf die Wegbreite zu achten.

Damit neben dem Rollstuhl auch noch eine zweite Person bequem gehen kann (oder eine Person die andere beim Gehen unterstützen) ist eine Breite von mindestens 1,50 m zu berechnen (vgl. ebd., S. 12). Ein allfälliges Gefälle im Gelände sollte 6 % nicht überschreiten.

Beete

„Unter Hochbeeten versteht man große, unverrückbare Pflanzgefäße aus Holz oder Stein, die in einer ergonomisch günstigen Höhe über dem Boden liegen. Sie können als Abgrenzung einer Terrasse dienen, die Ränder eines vertieft liegenden Platzes
(„Senkgarten“) einfassen, einen Hand terrassieren, einer eine Mauer gelehnt sein oder frei im Garten stehen“ (Kleinod 2005, S. 76). Hochbeete können die Arbeit im Garten für Menschen mit Rückenbeschwerden oder im Rollstuhl etc. massiv erleichtern. Im Hochbeet können Gemüse wie Blumen gepflanzt werden und Hochbeete können – je nach Standort im Garten und verwendetem Baumaterial – auch gut als dekoratives Gestaltungselement verwendet werden.

Beim Bau eines Hochbeetes können unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. Es eigenen sich sowohl gemauerte Einfassungen, Rundhölzer oder Holzbalken. Außerdem gibt es bereits fertige Hochbeetkästen zu kaufen. In jedem Fall empfiehlt sich gegen das Eindringen von Wühlmäusen ein Drahtgitter am Boden. Die Lebensdauer von Holzkonstruktionen wird durch die Innenverkleidung mit einer Teichfolie erhöht. Gefüllt wird ein Hochbeet mit einer groben Holz- und Reisigschicht, umgedrehten Rasensoden, Rohkompost und reifem Kompost, der in der obersten Schicht mit gutem Mutterboden gemischt werden kann.

Dankt der Befüllung mit sehr gutem Kompost- und Erdmaterial erzielt man im Hochbeet sehr rasch hervorragende Ergebnisse. Ein Nachteil ist aber, dass sich besonders in den ersten beiden Jahren aufgrund der Verrottung von Holz und Reisig die Befüllung senkt. Um nicht ständig Erdmaterial nachfüllen zu müssen, wird in der Broschüre des Umweltzentrums Fulda (2005, S. 18) empfohlen, das Hochbeet über mindestens einen Winter, besser noch über ein ganzes Jahr sehr langsam zu
befüllen.

Bezüglich der Höhe eines Hochbeetes empfiehlt Kleinod (2005, S. 76) eine Höhe zwischen 80 und 100 cm und eine Breite von 60 cm für angelehnte bzw. von 120 cm für beidseitig erreichbare Beete. Besonders im Bezug auf die Höhe kann aber variiert
werden. Wesentlich ist die Körpergröße der Gärnter/innen. Außerdem gilt es im Vorfeld zu bedenken, ob man das Beet im Stehen oder im Sitzen bearbeiten möchte. Rund um das Hochbeet empfiehlt sich ein mindestens 80 cm breiter Weg aus Platten
oder Rindenmulch (vgl. ebd.)

In der Gartentherapie werden häufig auch unterfahrbare Tischbeete verwendet, die vor allem für RollstuhlfahrerInnen leicht zu benutzen sind. Das Tischbeet weist eine maximale Breite von 120 cm auf. Aufgrund des geringen Erdvolumens ist es allerdings nicht für alle Kulturen geeignet. Auf die richtige Pflanzenauswahl ist deshalb auch besonders gut zu achten. In der Broschüre des Umweltzentrums Fulda (2005, S. 19f) ist zu lesen, dass sich Tischbeete besonders für die Anlage eines bunt
blühenden Steingartens oder für Küchenkräuter eignet. Es wird auch darauf hingewiesen, dass im Winter eventuelle eine Abdeckung nötig ist und dass das Beet ein leichtes Gefälle von ca. 2 % aufweisen soll, um den Wasserabtransport zu gewährleisten.

Pflanzenauswahl

Auch die Pflanzenauswahl im Garten, seien es Gemüsesorten, Stauden, Hecken oder Bäume kann die Gartenarbeit für unterschiedlich eingeschränkte Gärnter/innen erleichtern. Sinnvoll ist die Verwendung von pflegeleichten, robusten und gut an die
jeweiligen Standortbedingungen angepassten Pflanzen (Kleinod 2005, S. 20f). Besonders im Bezug auf Obstbäume ist dabei eine langfristige Planung ratsam. Große Bäume benötigen nicht nur viel Platz im Garten sondern müssen auch regelmäßig geschnitten und aufwändig gepflegt werden.

Für die Obsternte sind Leitern nötig, was zum Beispiel im fortgeschrittenen Alter für den/die GärterIn mit Problemen verbunden sein kann. In der Broschüre des Umweltzentrums Fulda (2005, S. 28) wird als Alternative die Verwendung von Obstbäumen mit schwachwüchsiger Unterlage empfohlen, die nicht höher als 2 m wachsen und sich durch frühen Ertragsbeginn, regelmäßige Fruchtbarkeit (bei den meisten Sorten), gute Fruchtqualität sowie geringen Schnittaufwand und geringen Platzanspruch auszeichnen. Außerdem eignen sie sich für Spalierobstkulturen. Ein Obstbaumspalier könnte zum Beispiel entlang eines Zaunes gezogen werden – wird daneben ein entsprechend präparierter Weg, ist es auch Menschen im Rollstuhl möglich, die Bäume zu pflegen und zu beernten.

Die Auswahl standortgerechter und naturnaher Pflanzen spielt auch im Hinblick auf Stauden eine wichtige Rolle. Das Umweltzentrum Fulda (2005, S. 30) empfiehlt zum Beispiel die Verwendung von Arten, die traditionellerweise in Bauerngärten eingesetzt wurden, um eine relativ pflegeleichte Bepflanzung zu erreichen: Wichtig ist aber immer der Hinweis, dass solche Anregungen immer nur einen Hinweise darstellen, der in jedem Garten auf die tatsächliche Anwendbarkeit überprüft werden
muss. Individueller Standort, Schädlingsbefall und nicht zuletzt natürlich die Vorlieben der/des GärtnerIn spielen eine wichtige Rolle.

Auch Kleinod (2005, S. 20f) plädiert für eine pflegeextensive, gut an den Standort angepasste Pflanzenauswahl im barrierefreien Garten. Im Hinblick auf Gemüse empfiehlt sie vor allem die Wahl von krankheitsresistenten Sorten, die mittlerweile
häufig angeboten werden. Damit erspart man sich häufig sehr aufwändige und mühsame Schädlings- und Krankheitsbekämpfungsmaßnahmen. Vor allem jenen GärtnerInnen, denen die Bearbeitung eines richtigen Gemüsegartens zu anstrengend (geworden) ist und die trotzdem nicht auf Selbstgezogenes verzichten will, empfiehlt Kleinod (ebd., S. 70ff) den „Rückzug auf die Terrasse“. „Fast alle Kräuter, aber auch viele Salate, Blatt- und Wurzelgemüse, Beerensträucher und auf schwachwüchsigen Unterlagen veredelte Obstbäume lassen sich in Kübeln kultivieren“. Die Vorteile von Kübelpflanzungen liegen einerseits im geringen Platzbedarf und in der überschaubaren Erntemenge (die für einen Ein- bis Zweipersonenhaushalt völlig ausreicht), außerdem beleben sie das Gartenbild und können im Sitzen gepflegt werden.

Natürlich zeigen sich auch Nachteile bei der Kübelpflanzung, die vor allem im unter Umständen recht hohen Gieß- und Düngeaufwand zu sehen sind (je kleiner das Gefäß umso höher der Aufwand). Werden große Kübel verwendet stellt sich auch das Transportproblem. Im Winter ist zudem auf ausreichenden Frostschutz zu achten.

Schonendes Arbeiten

Eine wesentliche Rolle im barrierefreien Garten spielt sicher auch die richtige Arbeitshaltung und die Verwendung guter Gartengeräte. Im Bezug auf die Arbeitshaltung gilt alles, was nicht bezogen auf Gartenarbeit immer wieder wiederholt wird: nichts aus dem Rücken heben, sondern lieber in die Hocke gehen, Unkraut jäten nicht in gebückter Haltung sondern lieber auf einem Bein kniend, mit geradem Rücken,… (vgl. Keinod 2005, S. 93).

Die Anschaffung guter Gartengeräte erfordert etwas Zeit und gute Auswahl. In der Broschüre des Umweltzentrums Fulda (2005, S. 32) ist zu lesen, dass viele ergonomisch gute und zum Beispiel für SenorInnen oder körperbehinderte Personen
sehr gut geeignete Geräte im großen Angebot der Gartencenter untergehen, nicht extra angeboten werden und auch das Personal keine entsprechende Schulung bekommt. Daher empfiehlt sich häufig der direkte Kontakt mit der Herstellerfirma, um
wirklich gutes und individuell brauchbares Gerät zu bekommen. Außerdem wird auf darauf hingewiesen, dass ein (zumindest simuliertes) Ausprobieren des Geräts sinnvoll ist.

Jeder Mensch hat andere Vorlieben und vor einer – oft nicht gerade günstigen Anschaffung – macht es Sinn zu testen, wie schwer das Arbeitsgerät ist, wie es in der Hand liegt etc. Kleinod (2005, S. 91) empfiehlt insbesondere folgende Hilfsmittel für die Gartenarbeit:

  • Pumpen und Schläuche, die die Bewässerung erleichtern (nicht alles muss mit
    der Gießkanne gegossen werden!) und so den Rücken schonen.
  • Die Verwendung von Körben oder Werkzeuggürteln bzw. –schürzen: sie ersparen Wege und das Suchen von bzw. Bücken nach Werkzeugen
  • Ergonomisch geformte Gerätegriffe, die durch ihre gute Handhabung die Gelenke entlasten
  • Werkzeugstiele sollten rutschfeste Übergriffe haben, damit sie sicher gehalten und bequem gehandhabt werden können.
  • Gerätestile, die in der Länge verstellbar und ev. gebogen sind (Teleskopstile) schonen den Rücken und sind individuell anpassbar.
  • Stile aus leichten Materialen (Leichtholz, Aluminium) schonen Arme und Gelenke
  • Langstielige Unkrautjäter schonen Arme und Rücken und ermöglichen das Jäten auch an schwer zugänglichen Stellen.
  • Greifer und Kehrboy schonen den Rücken, weil man sich weniger Bücken muss
  • Die Verwendung von Rollhockern schonen Rücken und Knien, weil man Arbeiten im Sitzen erledigen kann.
  • Rolluntersetzer für Kübel erleichtern den Transport.

Wichtig im Hinblick auf schonendes Arbeiten sind sicherlich auch die persönliche Einstellung und die individuelle Kreativität. Dort wo Fähigkeiten verloren gehen sollte man offen genug sein, neue Wege zu finden und sich auch der verschiedenen Hilfsmittel zu bedienen. Nicht unwesentlich ist sicher auch der Hinweis in der Broschüre des Umweltzentrums Fulda (2005, S. 31), sich nicht davor zu scheuen dort wo es nötig ist auch um Hilfe zu bitten.

Zusammenfassung

Die Beschäftigung im und mit den Garten bietet grundsätzlich für alle Menschen viele positive „Nebeneffekte“. Der Aufenthalt im Freien und die Bewegung in der Natur wirken sich förderlich auf Körper und Geist aus. Dies konnte in medizinischen
Studien mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen werden, kann aber von vielen Menschen auch ohne diese Studien einfach gespürt werden. Die Gartentherapie macht sich die positiven Wirkungen des Gartens zu nutze und verwendet den Garten gezielt als Therapeut in unterschiedlichsten Gebieten. Vor allem alte Menschen, Menschen mit psychischen Krankheiten und Personen in der körperlichen Rehabilitation (zum Beispiel nach Unfällen oder Schlaganfällen) profitieren davon.

Es ist eine Tatsache, dass auch die ‚durchschnittlichen HausgartenbesitzerInnen im Laufe ihres Lebens in Situationen kommen (können), die eine gewohnte Bewirtschaftung des Gartens erschweren oder überhaupt unmöglich machen. Unfälle, Krankheiten oder schlicht die normalen altersbedingten Einschränkungen können jeden Menschen betreffen und machen eine entsprechend barrierefreie Gestaltung des Gartens sinnvoll. Viele Elemente, die in der Gartentherapie fixer Bestandteil sind lassen sich problemlos in den Hausgarten übertragen. Eine entsprechende Planung bzw. Adaptierung des Garten (u. a. zum Beispiel im Hinblick auf Weg- und Beetgestaltung, richtige Pflanzenauswahl und schonendes Arbeiten) machen es möglich, dass der Garten auch für Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen mit Freude verbunden ist, die sich positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit dieser Person auswirkt.

Literaturverzeichnis

  • Callo C., Hein, A. & Plahl C. (2004). Mensch und Garten: Ein Dialog zwischen Sozialer Arbeit und Gartenbau. Norderstedt: Books on Demand GmbH.
  • Kleinod, B. (2003): Gärten für Senioren pflegeleicht gestalten. Verlag Eugen Ulmer.
  • Niepel, A. & Emmerich, S. (2005): Garten und Therapie. Wege zur Barrierefreiheit. Verlag Eugen Ulmer.
  • Neuhauser, F. (2002): Ein Garten ist der beste Arzt. Online verfügbar unter: http://www.garten-therapie.de [29.12.2009]
  • Pfister, T. (o.J.): Acht Fragen zur Gartentherapie. Online verfügbar unter: http://www.gartenundtherapie.ch/pdf/acht_fragen.pdf [27.12.2009].
  • Ulrich, R. (2002): Health Benefits of Gardens in Hospital. Paper for conference, Plants for People, International Exhibition Floriade 2002. Online verfügbar unter: http://www.planterra.com/SymposiumUlrich.pdf [29.12.2009].
  • Umweltzentrum Fulda e.V. & Sozialverband VdK Hessen-Thüringen (2005): Unbehindert Gärtnern. Praktische Tipps und Hilfen für Menschen mit Bewegungseinschränkungen. Eigenverlag. Online verfügbar unter: http://www.gartenundtherapie.ch/pdf/Unbehindert_Gaertnern.pdf [02.01.2010].
  • Wolte, B. (2005): Gartentherapie im Rahmen der Geriatrie und Gerontologie.
  • Potential und Einschränkungen. Diplomarbeit an der Universität Wien.

 

Links zum Thema:

» Schöner Garten

Autorin: Irene Luftensteiner, 2009


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